Ingenieur360

MINT-Fächer setzen verstärkt auf Frauenstudiengänge

mintWirtschaft und Politik sähen gerne mehr Frauen in den sogenannten MINT (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften)-Fächern. Doch die Statistiken sind ernüchternd, zwar beträgt der Studentinnenanteil in der Mathematik und den Naturwissenschaftlern mittlerweile immerhin rund 37 %, doch die Absolventinnenzahlen liegen deutlich darunter.

In den Informatik- und Ingenieurwissenschaften stellt sich die Situation deutlich prekärer dar. Der Anteil weiblicher Studenten liegt hier lediglich bei 21 bis 22 %, der Absolventinnenanteil dagegen bei nur 11 %. Um dieses Missverhältnis zu beheben, setzen Hochschulen vermehrt auf reine Frauenstudiengänge, die Hemmschwellen potentieller weiblicher Bewerber abbauen und Studentinnen helfen sollen, das einmal begonnene Studium auch zum Abschluss zu bringen.

Der Grund für diesen Sonderweg liegt in Erkenntnissen aus der Erwachsenenpädagogik, die belegen, dass Frauen grundsätzlich stärker daran interessiert sind zu erfahren, warum bestimmte Lehrinhalte nützlich für sie sind. Männer stellen sich solche Fragen zwar auch, reden darüber jedoch nicht. Vielmehr neigen Männer dazu, den präsentierten Curricula blind zu vertrauen und sich direkt in die Aneignung der Materie zu stürzen.

Durch diesen geschlechtsspezifisch verschiedenen Lernansatz entsteht häufig der oberflächliche Eindruck, Männern liege die Materie näher oder Frauen neigten zu „unwissenschaftlichen“ Fragen. Und das führe gerade bei Studentinnen häufig zu Frustration, die sich in hohen Abbrecherquoten niederschlage, erläutert Informatikprofessorin und Koordinatorin des Berliner Frauenstudiengangs an der HTW, Juliane Siegeris, in einem Interview mit der „Welt“.

Frauenstudiengänge folgen anderen pädagogischen Maßgaben

Die Frauenstudiengänge folgen deshalb einem pädagogischen Konzept, dass es ihnen erlaubt, erst einmal Bedenken zum Nutzen des Gelehrten auszuräumen, bevor es ans eigentliche Büffeln der Inhalte geht. Zudem beinhalten die Studiengänge ausgeweitete Praktika-Anteile, nicht selten sind bis zu sechs Exkursionen in Wirtschaftsunternehmen verpflichtend vorgesehen. Inhaltlich sind die Studiengänge allerdings mit den gemischten Pendants identisch.

Auch in Bezug auf familiengerechte Studienzeiten sind Frauenstudiengänge optimiert, meist finden die Vorlesungen zwischen 8 und 16 Uhr statt und erlauben so auch alleinerziehenden Müttern das Studium. Die bisherigen Erfahrungen zeigen zudem, dass nicht nur mehr Studentinnen ihr Studium erfolgreich zum Abschluss bringen, sondern auch schneller den Berufseinstieg schaffen.

Bleibt allerdings noch die bislang unbeantwortet Frage, weshalb die geschlechterspezifischen Lerndifferenzen der MINT-Fächer nicht auch in anderen Disziplinen ähnliche Auswirkungen haben.
Doch möglicherweise wird sich in den MINT-Fächern durch einen steigenden Anteil an Dozentinnen in der Zukunft auch die pädagogische Herangehensweise soweit verändern, dass reine Frauenstudiengänge dann nicht mehr nötig sind und auch männliche Studierende ihre Hemmungen verlieren, Sinn und Zweck bestimmter Lerninhalte offen zu hinterfragen.

Foto: lightpoet – Fotolia