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Bislang größte Entsalzungsanlage in Australien in Betrieb genommen

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Trinkwasserknappheit ist eines der ganz großen Probleme in vielen Erdteilen. Die Klimaerwärmung verschärft das Problem noch zusätzlich. Vor dem Hintergrund stellt die Entsalzung und Aufbereitung von Meerwasser eine oftmals alternativlose Methode der Trinkwassergewinnung dar. Das aufwändige und dementsprechend kostenintensive Verfahren wurde in der Vergangenheit eher stiefmütterlich behandelt, doch intensivere Trockenperioden sowie die höhere Finanzkraft gerade ostasiatischer Staaten haben Entsalzungsanlagen in den Fokus betroffener Staaten rücken lassen.

Einer der am schlimmsten von Dürre und Hitzewellen betroffenen Staaten ist Australien und so ist es kein Zufall, dass dort vor kurzem die weltweit größte Meerwasserentsalzungsanlage in Betrieb genommen wurde. Der französische Hersteller Suez Environnement errichtete die gigantische Anlage aus einem Geflecht von 7900 Zu- und Ableitungsröhren, das eine Höhe von rund 20m erreicht und täglich stolze 450.000 Kubikmeter Wasser für die 84 km entfernte Großstadt Melbourne bereitstellt.

Wie sämtliche der rund 17.000 weltweit bestehenden Entsalzungsanlagen nutzt auch die australische das seit langem bekannte Umkehr-Osmose-Prinzip, bei dem Meerwasser mit hohem Druck durch unterschiedliche Membranen gepresst und so Salze, Bakterien, Viren, Kalk, Gift und Schwermetalle gefiltert werden. Nach Bedarf können noch zusätzliche Vorfilter zugeschaltet werden, die spezielle Verschmutzungen beseitigen können. Das auf diese Weise vielfach gefilterte Meerwasser ist schließlich in so erheblichem Umfang demineralisiert, dass es erst durch die Zugabe von Elektrolyten seine Eignung als Trinkwasser erhält.

In der von Suez Environnement errichteten Anlage kommen 55 482 Membranen zum Einsatz, der Betrieb der Anlage erfolgt dabei vollautomatisch rund um die Uhr. Ein Team von mehr als 50 Ingenieuren überwacht den korrekten Arbeitsablauf. Die Anlage ist auf eine Einsatzzeit von knapp 30 Jahren ausgelegt.

Der internationale Markt für Meerwasseraufbereitungsanlagen wächst indessen kontinuierlich, Staaten wie Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Spanien, die USA, China und Israel nutzen die Technologie gegenwärtig bereits, auch die deutsche Insel Helgoland bezieht ihr Trinkwasser aus der Nordsee, zukünftig dürften sich noch einige Staaten mehr für das Verfahren entscheiden. Suez Environnement hofft mit der neuerrichteten Anlage die Marktführerschaft übernehmen zu können. Doch die Konkurrenz schläft nicht, das ebenfalls französische Versorgungsunternehmen Veolia Environnement zählt zu den weltweit größten privaten Wasserversorgern und das südkoreanische Unternehmen Hyflux will noch in diesem Jahr in Algerien eine Entsalzungsanlage mit einer Leistung von 500.000 Kubikmetern Trinkwasser fertigstellen und Suez somit den Rang ablaufen.
Doch auch dieser Rekord wird nicht lange Zeit Bestand haben, da die chinesische Regierung bis 2020 gleich zwei Mega-Anlagen mit einer Kapazität von jeweils bis zu 4 Mio. Kubikmetern in Tianjin und Qingdao in Betrieb zu nehmen plant.

Nachteil der Entsalzungsanlagen ist ihr enorm hoher Energieverbrauch. In den Ölstaaten des nahen Ostens wird dieses Problem durch eine Kopplung der Entsalzungsanlagen an Öl- und Gaskraftwerke gelöst. Umweltfreundlichere Varianten sind die Nutzung von Wind-, Sonnen- oder Tideenergie. Bei der Nutzung konventioneller Energieträger verschlechtert die zusätzliche CO2-Emission nicht nur die Umweltbilanz, sondern trägt aktiv zur weiteren Klimaerwärmung bei, wodurch wiederum der Bedarf an Trinkwasser steigt.