Ingenieur360

Kunststoffanteil im Auto steigt kontinuierlich

Nein, mit Ostalgie hat es nichts zu tun, wenn BASF, weltweit größter Lieferant chemischer Komponenten der Automobilindustrie, einen Anstieg der Fahrzeugleichtbauteile von derzeit 30 % auf 70 % bis 2030 prognostiziert. Der wesentliche Grund dafür liegt im Treibstoffverbrauch und den entsprechend hohen Emissionen schwerer Fahrzeuge. Um die politisch gewollte Emissionssenkung umsetzen zu können, müssen Automobilhersteller das Fahrzeuggewicht kontinuierlich reduzieren. Dafür stehen Leichtmetalle und moderne Verbundstoffe zur Verfügung. Während die Metalle aber vor allem für die Karosserie verwendet werden, besteht ein steigender Anteil des Fahrzeuginnenlebens aus modernen Kunststoffen.

Besonders in Elektroautos werden verstärkt Kunststoffe eingesetzt, um das hohe Gewicht der Batterie ausgleichen zu können. Nach einem Bericht der Financial Times Deutschland plant etwa BMW ab 2013 Karbon als Grundmaterial für seine E-Cars einzusetzen. BASF hat sich auf den neuen Trend im Autobau hervorragend positioniert. Während traditionell Chemiekonzerne schlicht die Zulieferindustrie der Automobilbranche belieferten, sorgt ein vor wenigen Jahren gegründetes Steuerungskomitee bei BASF für den direkten Austausch mit den großen Autoherstellern. Einmal jährlich bespricht das Komitee mit den Entwicklungsvorständen von VW, Daimler und Co die An- und Herausforderungen im Automobilbau bezüglich chemischer Komponenten. So gelingt es BASF, optimale Verbundstoffe für den Autobau zu entwickeln und diese in verarbeitungsfreundlicher Form zu liefern. Denn die Hersteller arbeiten nicht gern mit chemischen Flüssigkeiten oder Granulaten, sondern konkreten festen Materialien, die sich direkt verbauen lassen.

Zu den Erfindungen von BASF gehören etwa das Gehäuse für den Beifahrer-Airbag im Audi Q7, eine serientaugliche Vollkunststofffelge für die Studie Smart Forvision oder eine Sitzschale aus Kunststoff und Glasfaser für den Opel Astra GTC, die gegenüber herkömmlichen Sitzschalen satte 45 % Gewicht einspart. Wie für die Automobilbranche insgesamt spielt auch für BASF der asiatische Markt eine herausragende Rolle. Und das nicht nur aufgrund seiner schieren Größe, sondern weil asiatische Autos bisher nur wenig Kunststoff enthalten, da Zusatzausstattungen und Airbags hier oft noch fehlen. Doch das wird sich in den kommenden Jahren ändern. Die Automobile für den asiatischen Markt werden speziell in Hinblick auf Sicherheitstechnik und Fahrkomfort stetig an europäische Maßstäbe angepasst. Und das erfordert einen deutlich höheren Einsatz an Verbundstoffen. Um noch einmal auf die Ostalgie zurück zu kommen, Vollkunststoffautos wie der legendäre Trabant werden wohl in absehbarer Zeit nicht den Markt überfluten. Denn das für eine sichere Kunststoffkarosserie geeignete Karbon muss noch so manche Verarbeitungshürde nehmen, bis es flächendeckend einsetzbar wird. So räumt BASF denn auch freimütig ein, dass es gegenwärtig noch eine technische Herausforderung sei, allein zwei identisch aussehende Türen aus Faserverbundstoffen herzustellen.