Ingenieur360

Glasfaserkabelindustrie ist wieder gefragt

In den 90er Jahren boomte die Glasfaserkabelindustrie regelrecht. Die deutlich schnellere Übertragung von Daten über die Glasfaserleitungen bescherte der Branche einen Investitionsboom. Doch vor rund zehn Jahren stagnierte die Entwicklung der Branche rapide.

Eine Pleitewelle rollte vor allem durch die US-amerikanische Industrie. Die Netze waren weitestgehend ausgebaut, es fehlte schlichtweg an Aufträgen.

Inzwischen arbeiten viele Leitungsnetze jedoch wieder an ihrer Belastungsgrenze. Verantwortlich dafür ist neben einem datenintensiveren Nutzerverhalten vor allem die wachsende Nutzung mobiler Breitbandgeräte, sprich Smartphones. Die beliebten Smartphones sind häufig fast ständig mit dem Internet verbunden. Der Datenverkehr ist also nicht mehr in dem Maße wie früher an Ballungszentren orientiert, sondern erfolgt von beliebigen Standorten aus. Die Netzbetreiber müssen dem veränderten Nutzerverhalten gerecht werden und vor allem ihr Backbone-Netz ausbauen. Hierbei geht es um die Versorgung bislang stiefmütterlich behandelter Regionen.

Über die Notwendigkeit der Netzerweiterung sind sich sämtliche Betreiber einig, doch schwierig wird es bei der Kostendeckung. Zwar erwarten Endkunden ganz selbstverständlich ein überall und jederzeit leistungsfähiges Netz, doch sind sie in der Regel nicht bereit, dafür mehr zu bezahlen. Bereits die vorhandenen Tarife reichen laut der Betreibergesellschaften kaum aus, das Netz zu refinanzieren. Bei einem Ausbau würde sich die Dauer der Investitionsamortisierung noch weiter verlängern. Allerdings scheint dieses Argument vor dem Hintergrund einer prognostizierten Verdopplung des mobilen Datenverkehrs bis 2016 nicht allzu gewichtig. Die rasante Verbreitung der Smartphones beschert den Betreibern schließlich ebenso rasant wachsende Kundenzahlen.

Ein bisher weniger beachteter Mehrverbrauch an Transferleistung des Kabelnetzes wird zudem durch das Cloud-Computing verursacht. Hier besteht das zusätzliche Problem, dass sich als Standorte der Rechenzentren vor allem Gebiete mit niedrigen Stromkosten und optimaler Kühlungsversorgung etablieren. Besonders Island wird hierfür aufgrund der klimatischen Bedingungen und der kostengünstigen Stromgewinnung aus den gewaltigen Naturkräften Islands als Standort hoch gehandelt. Leider verfügt das Land aber noch nicht über eine Hochleistungsverbindung zu den datenintensiven Regionen Europa und Nordamerika.

Der Seekabelbetreiber Hibernia Atlantic plant deshalb die Verlegung eines Transatlantikkabels nach Nordamerika. Die Glasfaserkabelindustrie wird nicht nur hier noch so manche lukrativen Aufträge einfahren können.

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