Ingenieur360

Europäischer Wirtschaftsverband nutzt Krim-Krise für Fracking-Lobbyismus

Fracking - Eine Alternative?Der europäische Wirtschaftsverband „Business Europe“, dem unter anderem auch der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) angehört, fordert angesichts der politischen Krise in der Ukraine eine Neubewertung der höchst umstrittenen Frackingmethode.

Aufgrund der Annektierung der Krim-Region durch Russland wirft der Wirtschaftsverband die Frage nach der Versorgungssicherheit Europas durch russische Gaslieferungen auf. Um von diesen unabhängiger zu werden, müsse nach Ansicht des Verbandes die großflächige Förderung europäischer Schiefergasvorkommen durch das Fracking ernsthaft als Alternative in Betracht gezogen werden, teilte der Verband gegenüber den vdi.nachrichten mit.

EU verliert bei Industrieunternehmen an Bedeutung

Die umfassenden ökologischen Bedenken, die sich unter anderem auf bereits konkrete Umweltschäden in den USA beziehen, werden vom Verband lediglich als „Ideologie“ bezeichnet. Die größere Gefahr sieht der Wirtschaftsverband in der angeblich bereits zu beobachtenden Abwanderung energieintensiver europäischer Industriebetriebe aufgrund zu hoher Energiekosten. Bei „Business Europe“ befürchtet man sogar eine „schleichende Deindustrialisierung Europas“, die nur mittels konkurrenzfähiger Energiekosten gestoppt werden könne. Und hierfür sei die Erschließung von Schiefergasvorkommen unerlässlich, so die Argumentationslogik des Wirtschaftsverbandes. Im Rahmen der politisch schwierigen Situation in der Ukraine wirkt der Versuch, ein bei den europäischen Bevölkerungen weitestgehend unbeliebtes und wissenschaftlich umstrittenes Verfahren wie das Fracking zu propagieren, äußerst unsensibel.

Beim Fracking wird mit zahlreichen zum Teil hochtoxischen Chemikalien versetztes Wasser unter enormem Druck in tiefliegende Gesteinsschichten gepumpt, um das Schiefergestein aufzubrechen und darin eingeschlossene Gasblasen freizusetzen und abzupumpen. Der giftige Chemiecocktail gelangt dabei nicht nur ins Erdreich sondern unter Umständen auch ins Grundwasser und kann somit ganze Regionen landwirtschaftlich unbrauchbar machen und die Trinkwasserversorgung gefährden. Zudem lassen sich die Brüche des Schiefergesteins nicht kontrolliert herbeiführen, sodass es mitunter zu Bodenunterspülungen mit Landabsenkungen kommt.

Foto: Rainer Sturm / pixelio.de