Ingenieur360

Deutsches Ingenieurwesen mit Nachwuchssorgen

ingenieur-nachwuchssorgenDer deutsche Ingenieur ist eine globale Marke – doch wie lange noch? Eine Studie des VDI zeigte kürzlich die Nachwuchsprobleme der Branche, die Demografieprobleme der Bundeserpublik gehen auch am wichtigsten aller Industrieberufe nicht vorbei.

Weniger Ingenieure, weniger KMUs

Die Sorgen in der Branche sind nicht erst seit gestern bekannt. Schon vor der Überalterung gab es ein weiteres Problem, und zwar die rückläufige Zahl von Selbstständigkeiten, die einst als Rückgrat der deutschen Wirtschaft galten. Initiativen wie die KMU Förderung inklusive Innovationsberatung und Einwerbung von Fördermitteln (Mehr Infos dazu hier) konnten den Rückgang leicht abfedern, aber nicht stoppen oder umkehren.

Kaum Nachwuchs in Sicht

Zahlen belegen nun, wie es wirklich um die Branche steht. So sind rund 20 Prozent aller Deutschen Ingenieure über 55, der Anteil der unter 34-Jährigen liegt bei mageren 18 Prozent. Die Tendenz ist damit offensichtlich: Die Gesamtzahl deutscher Ingenieure wird zwangsläufig abnehmen, und zwar nicht zu knapp. Zum Vergleich: In anderen europäischen Ländern liegt die Nachwuchsquote bei 40 bis 50 Prozent. Experten rechnen damit, dass die Überalterung spätestens ab 2020 drastische Folgen zeigen wird.

Industrie muss aufholen – und sich umstellen

Gleichzeitig wächst die deutsche Industrie weiter, es gibt immer mehr Arbeitsplätze. Der Bedarf an Ingenieuren steigt also stark an – doch er kann nicht befriedigt werden. Eine Teilschuld wird auch der Industrie selbst zugesprochen, da sie den Trend zur vierten industriellen Revolution zu verschlafen droht. Doch worum geht es dabei überhaupt? Im Mittelpunkt steht die intelligente Verknüpfung aller bislang bekannten maschinellen Ressourcen, das Ziel ist eine komplexere, zuverlässigere Automatisierung. Doch um diesen neuen Anforderungen gerecht zu werden, müssen auch andere Probleme gelöst werden. So gibt es momentan über 60.000 offene Stellen, gleichzeitig sind knapp 30.000 Ingenieure arbeitslos. Warum also nicht einfach die Stellen besetzen? Ganz einfach: Weil die Rahmenbedingungen oft nicht passen. Geographische Gegebenheiten und andere Faktoren machen viele Jobs aus Arbeitnehmersicht unattraktiv, Experten sprechen hier von einem „Passfehler“ zwischen den Fronten.

Frauen als Hoffnungsträger?

Ingenieursberufe gelten seit jeher als Männerdomäne, ein Blick in die Hörsäle bestätigt das bis heute. Obwohl Frauen nach wie vor nur einen Bruchteil ausmachen, ist zumindest eine positive Tendenz erkennbar, denn die Zahl weiblicher Ingenieure ist seit 2005 konstant gestiegen. Das dürfte auch in Zukunft so sein, denn schon in Gymnasien zeigen sich immer mehr Frauen interessiert an Naturwissenschaften, rein männliche Physik- oder Mathe-Leistungskurse gibt es kaum noch. Optimisten hoffen deswegen darauf, dass das Bildungssystem zu einer Besserung der Branche beiträgt. Motivation gibt es schließlich genug, etwa in Form der James Dysons Awards, die schon während des Studiums ein Sprungbrett für die spätere Karriere sein können.

Bild: © Doug Menuez/Photodisc/Thinkstock