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Was muss man beachten, wenn man sich als Ingenieur selbstständig macht?

Selbständigkeit IngenieurFür ungefähr eine Million Absolventen der Ingenieurswissenschaften in Deutschland steht nach dem Abschluss die Frage im Raum, ob sie den eigenen Traum verwirklichen sollen oder doch lieber die Sicherheit eines festen Einkommens auf dem Konto wählen. Sich einfach mal auszuprobieren und notfalls dann doch in eine Festanstellung zu wechseln, ist in Deutschland zwar möglich, doch das Scheitern wird noch immer als Manko angesehen. Es ist daher wichtig, dass Sie sich genau überlegen, ob Sie die Eignung und das nötige Durchhaltevermögen für den Schritt in die Selbstständigkeit haben.

Trotz schwach ausgeprägter Gründerkultur selbstständig werden?

Es gibt zwar einige Einstiegshürden, wie Finanzierungen, Versicherungen, Räumlichkeiten und Steuern, dennoch kann sich der Schritt ins eigene Büro lohnen. Sie müssen sich nur bewusst sein, dass eine gute Idee zwar ausschlaggebend für die Selbstständigkeit ist – diese aber steht und fällt mit einem Businessplan und der Finanzierung. Daher sollten sich Ingenieure im Vorfeld bereits mit den betriebswirtschaftlichen, organisatorischen und juristischen Problemen beschäftigen, die eventuell auf sie zukommen werden. Für genau diese Problematiken gibt es jedoch die VDI/VDE Innovation und Technik GmbH (VDI/VDE-IT). Dieses Unternehmen hilft Gründern wie Ihnen bei der Vorbereitung, unterstützt junge Unternehmen durch entsprechende Netzwerke und berät sie über Finanzierungs- und Fördermöglichkeiten.

Die Planung des eigenen Ingenieurbüros

Wenn Sie sich für eine Selbstständigkeit entschieden haben, dann gilt es einige Punkte zu beachten, damit Sie auf dem Markt Fuß fassen können.

1. Die fachliche Eignung

Bevor Sie ein eigenes Büro gründen können, brauchen Sie ein abgeschlossenes Studium und mindestens 2 Jahre Berufserfahrung. Nur so können Sie die notwendigen fachlichen Qualifikationen vorweisen, die in diesem Job benötigt werden.

2. Arbeiten Sie ein Konzept aus

Sie sollten sich darüber im Klaren sein, ob die von Ihnen angebotenen Leistungen auch eine Marktlücke sind, oder ob sich ein Start-up in einer weniger umkämpften Sparte eher lohnt. Die Ausrichtung sollte darüber hinaus auch Ihren persönlichen Stärken, herausragenden Leistungen und speziellen Kenntnissen entsprechen.

3. Finanzierungsplan

Mit einem gut ausgearbeiteten Businessplan können Sie nicht nur zukünftige Investoren auf Ihre Seite ziehen, sondern sehen auch gleich, welche Gründungs- und laufende Kosten auf Sie zukommen. Achten Sie bei Ihren Berechnungen darauf, dass Sie am Anfang zwar kleine preisliche Unterbietungen in Kauf nehmen müssen, um sich zu etablieren – Sie sollten sich aber trotzdem nicht unter Wert verkaufen. Bedenken Sie auch, dass weitere Kosten im Bereich Steuern anfallen. Sie haben zwei Möglichkeiten: Zum einen können Sie Ihre Finanzen von einem externen Buchhalter überprüfen lassen. Zum anderen gibt es die finanziell erschwinglichere Möglichkeit und Sie erwerben eine Buchhaltungssoftware, wie sie auch von Lexware angeboten wird, und machen Ihre Buchhaltung selbst.

4. Die Formalitäten

  • Melden Sie sich als freiberuflicher Ingenieur beim Finanzamt und erhalten Sie Ihre Steuernummer.
  • Der Begriff Ingenieur ist gesetzlich geschützt. Sollten Sie sich allerdings als Berater selbstständig machen wollen, müssen Sie sich bei der jeweiligen Ingenieurskammer Ihres Bundeslandes eintragen lassen. Voraussetzungen sind dafür der Eintritt in die Landesingenieurskammer und die entsprechenden Nachweise Ihrer Qualifikationen.
  • Beantragen Sie die notwendigen Berechtigungen. Wenn Sie Genehmigungsplanung in Ihr Portfolio aufnehmen wollen, brauchen Sie eine Bauvorlagenberechtigung.
  • Sichern Sie sich außerdem für eventuelle Risiken ab. Sie brauchen mindestens eine Berufs-, eine Betriebs- und eine Vermögenshaftpflichtversicherung.

5. Kundenakquise

Wenn die Finanzierung und die Planung stehen, benötigen Sie noch einen breiten Kundenstamm. Versuchen Sie daher mit potenziellen Kunden aktiv in Kontakt zu treten. Dafür eignen sich Messen und Fachveranstaltungen, wo Sie mit den richtigen Werbemitteln im Gedächtnis der Auftraggeber bleiben.