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Mittelstand reduziert Neubeschäftigung

ArbeitsmarktDie diesjährige Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) zu Investitions- und Personalplanungen deutscher Unternehmen fällt für den Mittelstand beschämend aus.

Wie das Nachrichtenportal welt.online berichtet, sind für 2015 rund 100.000 neue Beschäftigungsverhältnisse in mittleren und kleinen Unternehmen vorgesehen und damit ganze 50% weniger als in den Vorjahren. Insbesondere die größeren mittelständischen Unternehmen mit bis zu 1000 Mitarbeitern führen als Begründung für die bescheidene Personalplanung wirtschaftspolitische Unsicherheiten an.
Zu diesen werden vor allem der ab kommenden Jahr geltende Mindestlohn sowie die Diskussion über mögliche Vorteilsstreichungen im Erbschaftssteuergesetz gezählt.

Doch gerade der Mindestlohn wirkt sich auf die zumeist hochspezialisierten größeren mittelständischen Unternehmen nur marginal aus, hiervon sind eher kleine Dienstleistungs- und Handwerksbetriebe betroffen, sofern deren Personalpolitik auf die Zahlung von Löhnen unterhalb einer Grenze von 8,50 € Stundenlohn aufbaut. Die geltende Erbschaftssteuer, die Betriebsvermögen privilegiert, wenn Arbeitsplätze erhalten bleiben, stellt hingegen ein großzügiges Entgegenkommen des Gesetzgebers an Familienunternehmen dar, das gerade in Zeiten wirtschaftlicher Krisen einer Korrektur bedarf.

Die radikale Verknappung geplanter Beschäftigungsverhältnisse scheint hierbei eher den Charakter einer Drohgebärde zu besitzen. Schwer vorstellbar ist hingegen, dass sich der Bedarf an neuen Arbeitsplätzen im Mittelstand plötzlich um die Hälfte reduziert haben soll.

Neben den politischen Muskelspielen führt die DIHK-Studie schließlich auch tatsächliche Gründe einer schwächeren zu erwartenden wirtschaftlichen Entwicklung des Mittelstandes an. Die von der EU beschlossenen wirtschaftlichen Sanktionen gegen Russland aufgrund der Ukraine-Krise treffen den deutschen Mittelstand besonders hart. Vor allem für die Maschinenbaubranche stellt Russland eines der wichtigsten Exportländer dar, bis zu 20% weniger Umsatz erwartet die Branche daher für das kommende Jahr, sollte die Krise in der Ukraine nicht bald beigelegt werden können.

Doch auch die schwierige wirtschaftliche Entwicklung des Euro-Raums wirkt sich auf den Mittelstand aus. Hier kommen insbesondere die schwächelnde wirtschaftliche Lage Frankreichs und Italiens zu tragen. Die einzige Branche, an der die wirtschaftspolitischen Entwicklungen bisher spurlos vorbeigegangen sind, ist die Informations- und IT-Dienstleisterbranche. Sie profitiert von der rasanten Digitalisierung der Wirtschaft so stark, dass auch für 2015 wieder viele neue Beschäftigungsverhältnisse geplant sind.

Bildquelle: Paul-Georg Meister / www.pixelio.de