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Hamburger Hafen nur bedingt für moderne Containerschiffe geeignet

ContainerschiffDer Hafen Hamburgs ist traditionell der zentrale deutsche Umschlagsplatz für Waren aus und nach Asien. Insbesondere chinesische Reedereien zählen zu den wichtigsten Auftraggebern der Hamburg Port Authority.

Doch gerade chinesische Reedereien setzen verstärkt auf Riesencontainerschiffe der neuesten Generation, mit bis zu 400 Metern Länge und Kapazitäten um 19.000 TEU. Für diese Giganten der Schifffahrt bestehen zwar einige wenige ausgewählte Anlaufstellen im Hamburger Hafen, doch dorthin zu gelangen, verlangt viel Geduld von seiten der Reedereien.

Die Elbe ist nämlich nur an einer einzigen Stelle breit genug, um zwei der Riesenschiffe einander passieren zu lassen. Befindet sich bereits ein Containerschiff im Hafen und ein zweites soll von der Nordsee kommend, in den Hafen einlaufen, entstehen zum Teil lange Wartezeiten. Ohnehin haben auslaufende Superschiffe nur ein Zeitfenster von eineinhalb Stunden, in denen der Wasserstand der Elbe ausreicht, um den Hafen zu verlassen. Und bei ungünstigen Witterungsbedingungen können die Riesenschiffe die Elbe überhaupt nicht befahren.

Den Hamburger Hafen zu erreichen und wieder zu verlassen, gleicht für die größten Containerschiffe der Welt einer Fahrt durchs sprichwörtliche Nadelöhr und dies führt häufig zu großen Verspätungen der Schiffe. Die weltweit größte Reederei Maersk lässt ihre großen Containerschiffe deshalb den Hamburger Hafen gar nicht mehr anfahren, sondern nutzt den Tiefseehafen, Jade-Weser-Port in Wilhelmshaven. An dem Tiefseehafen ist die dänische Reederei zudem auch als Eigentümer beteiligt.

Die Hamburger Regierung tut sich bislang schwer mit strategischen Entscheidungen zur Zukunft des Hafens. Die mit schönster Regelmäßigkeit geforderte Elbvertiefung kann jedenfalls kaum Abhilfe schaffen, da die Elbe zugleich erheblich verbreitert werden müsste. Und selbst wenn das gelänge, wäre die Fahrt zum Hamburger Hafen noch immer ungleich aufwändiger als das Anlaufen eines Tiefseehafens direkt an der Nordseeküste.

Hamburgs größtes Potential liegt vielmehr in der optimalen Anbindung ans Hinterland. Mit Zug und LKW können Waren in kürzester Zeit vom Hafen zu ihrem Bestimmungsort gelangen. Für terminierte Ware ist Hamburg damit Hafen erster Wahl, doch gerade diese kleineren Containerschiffe leiden ebenfalls unter der Präsenz ihrer riesigen Konkurrenten. Fährt davon nämlich ein Exemplar die Elbe entlang, müssen sämtliche Containerbrücken auf der Strecke ihre Arbeit einstellen, da ihre Ausleger zu weit über den Fluss ragen. Hierdurch verzögert sich die Löschzeit der Schiffsladungen um mehrere Stunden.

Die Frage, wer für diese Mehrkosten aufkommt, beschäftigt gegenwärtig die Hamburg Port Authority, die Betreiber Eurogate und HHLA sowie die ansässigen Reedereien.

Bildquelle: Dieter Schütz / pixelio.de

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