Ingenieur360

Ingenieure 2017 – immer noch ein Arbeitnehmermarkt

Weiterbildung IngenieureAuch in 2017 hat sich an der hohen Nachfrage von Industrie und Mittelstand nach Ingenieuren nicht verändert. Wie eine Studie mit über 700.000 Stellenanzeigen ermittelt hat, fehlen Fachkräfte vor allem im Paradepferd der deutschen Exportwirtschaft, dem Technologiebereich. Der Weg zur viel beschworenen „Industrie 4.0“ ist noch weit und steinig für die Unternehmen.
Die mit Abstand häufigsten Jobangebote mit über 40.000 Stellenanzeigen finden sich im IT-Bereich. Hier werden die meisten Ingenieure für IT-Anwenderberatung und Softwareentwicklung und -programmierung gesucht.

Auf den weiteren Plätzen fehlen Ingenieure für Elektrotechnik mit über 34.000 Anzeigen und den Bereichen Automatisierung und Mechatronik mit 28.000 Stellenanzeigen. Sortiert nach Bundesländern besteht hier der höchste Bedarf in Bayern, gefolgt von Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen. Dies ist mit Sicherheit kein Zufall, weil in diesen Bundesländern die Autobauer zu finden sind.

Somit entfallen nur auf die drei oben genannten Segmente tatsächlich 100.000 Stellen, die es zu besetzen gilt. Und eine Besserung der Situation ist nicht in absehbarer Reichweite. Aufgrund der demographischen Entwicklung werden die meisten Profis in den genannten Bereichen in der nächsten Dekade in die Altersrente verabschiedet werden, wodurch sich die Lage und der Kampf um die besten Köpfe der Branchen für die Unternehmen weiter verschärfen wird.

Außerdem werden Ingenieure in den Bereichen Fahrzeugtechnik und Metallbau- und Schweißtechnik gesucht. Hier sind immerhin noch über 10.000 Stellen unbesetzt oder werden dies demnächst sein. Auch für Bauingenieure gibt es noch sehr viele unbesetzte Stellen beispielsweise auf stellenmarkt.de.

Flexibilität bleibt Trumpf

Arbeitslosigkeit ist weiterhin kein Thema für Ingenieure. Auf einen arbeitslosen Ingenieur kommen (Stand Dezember 2015) durchschnittlich 3,15 Stellenangebote. Nur, wer also absolut wohnortgebunden ist und in einer Randlage lebt, dürfte hier betroffen sein. Flexibilität bleibt Trumpf.

Die Fachkräfte unter den Arbeitnehmern versetzt dies in die Lage, die besseren Karten bei Bewerbungen und Gehaltsverhandlungen zu haben, während vor allem die Arbeitgeber des Mittelstandes bessere Gehälter und Sozialleistungen anbieten müssen, um mit den Angeboten der Industrie mitzuhalten. Von Seiten der Arbeitgeber muss ferner über alternative Arbeitsplatzmodelle nachgedacht werden, um Mitarbeiter zu bekommen und zu binden. Auch die Entlohnung bedarf der Nachbesserung: Tatsächlich bewegt sich die Bezahlung vor allem bei Berufseinsteigern derzeit im Durchschnitt zwischen 40.000,- € und 45.000,- € pro Jahr, wie der Verband Deutscher Maschinen und Anlagenbau (VDMA) ermittelte, wobei hier ein Nord- Süd-Gefälle besteht. Betriebe in Bayern und Baden-Württemberg zahlen besser.

Obwohl der viel befürchtete „Fachkräftemangel“ mit einem Horrorszenario von über 350.000 offenen Stellen, wie ihn das arbeitgebernahe Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) im Jahr 2009 prophezeite, ausgeblieben ist, ist eine Entspannung der Lage auf lange Sicht noch nicht absehbar. Somit bleiben die Studiengänge in den MINT-Fächern nach wie vor attraktiv und zukunftsträchtig.