Ingenieur360

Fachkräftemangel im Ingenieursbereich ungebrochen

Arbeitsmarkt IngenieureWer jahrelang in einem der sogenannten MINT-Berufszweige (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Technik) studiert und einen guten Abschluss als Bachelor oder gar Master erreicht, hat hervorragende Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Dennoch sind noch immer zehntausende Ingenieure in Deutschland arbeitslos – Tendenz steigend.

Ingenieure sind sehr gefragt. überall hört man vom Fachkräftemangel und der verzweifelten Suche von Arbeitgebern nach qualifiziertem Personal für ihre Unternehmen. Gleichzeitig gibt es jedoch tausende Ingenieure ohne Beschäftigung, die teilweise verzweifelt nach einer neuen Anstellung suchen, ob bei Kalaydo oder in der regionalen Tageszeitung. Doch wie passt dies zusammen?

Der Arbeitsmarkt für Ingenieure

Der Verein Deutscher Ingenieure berichtete im Ingenieurmonitor im September 2013 Über die Problematik. Insgesamt rund 60.900 Ingenieursposten waren im September 2013 in Deutschland unbesetzt. Besonders stark betroffen sind die folgenden Spezialisierungen:

  • Maschinen- und Fahrzeugtechnik mit 17.000 offenen Stellen
  • Bau, Vermessung, Gebäudetechnik, Architekten mit 16.100 offenen Stellen
  • Energie- und Elektrotechnik mit 13.400 offenen Stellen
  • Technische Forschung und Produktionssteuerung mit 10.600 offenen Stellen

Weniger stark trifft es hingegen Unternehmen aus den Bereichen Metallverarbeitung, Kunststoffherstellung, chemische Industrie sowie Rohstofferzeugung und -gewinnung, doch auch hier liegt ein deutliches Ungleichgewicht hinsichtlich der Nachfrage und des Angebots an Arbeitskräften vor.

Zugleich hohe Arbeitslosigkeit

Die Erhebung ergab allerdings auch, dass im September rund 26.000 Ingenieure ohne Job waren. Hinsichtlich der Verteilung auf die verschiedenen Spezialisierungen zeigt sich ein ähnliches Bild wie bei den Vakanzen. Am stärksten betroffen sind Ingenieure mit den Fachrichtungen Bau, Vermessung und Gebäudetechnik sowie technische Forschung.

Ursache für das Ungleichgewicht: „Mismatch“

Diese Entwicklung wirft natürlich Fragen auf. Wie kann in diesem Ausmass Arbeitslosigkeit entstehen, wenn zugleich so viele Stellen unbesetzt sind? Begründet wird dies mit dem Fachbegriff „Mismatch“ Bewerber und Stelle passen nicht zusammen. Dabei sind die möglichen Ursachen sehr vielfältig. Auch wenn ein Ingenieur das richtige studiert hat, ist er nicht zwingend für jede Ingenieursstelle geeignet. Setzt der Arbeitgeber beispielsweise Auslandserfahrungen oder Fremdsprachenkenntnisse voraus, die der Bewerber nicht besitzt, macht eine Einstellung keinen Sinn. Auch wenn die nötige Berufserfahrung nicht vorhanden ist, um verantwortungsvolle Positionen zu bekleiden, kann dies ein KO-Kriterium sein, das gegen die Einstellung eines Bewerbers spricht. Ebenso kann die Differenz zwischen Gehaltsforderung und Gehaltsangebot die Parteien entzweien. Ist ein Ingenieur noch dazu nicht bereit, für einen Arbeitsplatz seinen Wohnort zu wechseln oder über weitere Strecken zu pendeln, wird die Jobsuche zusätzlich erschwert.

Wege aus dieser Misere sind nur schwer zu finden. Eine gewisse „Grundarbeitslosigkeit“ lässt sich aufgrund dieses Mismatch nicht vermeiden. Arbeitslose Ingenieure können aber durchaus etwas tun, um schneller wieder eine Anstellung zu finden. Wichtig ist, dass im Idealfall bei einer Einstellung sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer Kompromisse eingehen müssen. Natürlich möchte man als Ingenieur besser verdienen als normale Bürokräfte oder Produktionsmitarbeiter. Dennoch sollte notfalls lieber eine niedrigere Vergütung als gewünscht akzeptiert werden, bevor man aufgrund der fehlenden Anstellung den Anschluss an die Branche verliert. Notfalls sollte diese Chance einfach als Wiedereinstieg und als Sprungbrett zu einer vielleicht besser passenden Tätigkeit angesehen werden.

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