Ingenieur360

Patentanmeldung für Lift zum Weltraum

Aufzug ins AllEine Erfindung, die bislang lediglich im Bereich der Science Fiction–Literatur beheimatet zu sein schien, hat das kanadische Unternehmen Thoth Technology nach eigenen Angaben in Form einer Patentanmeldung vorgelegt.

Nichts geringeres als einen Lift zum Weltraum will das Unternehmen zumindest in der Theorie entwickelt haben. Die Idee wurde schon häufiger von Entwicklern aufgegriffen, bislang jedoch nie technisch konkretisiert.

Thoth Technology hat allerdings ein durchaus interessantes Konzept für seinen 20 Kilometer hohen Aufzug erstellt. Dieser soll nämlich röhrenartig aus gasbefüllten Zellen bestehen, die dem Turm ausreichend Stabilität verleihen, ihn aber gleichzeitig flexibel genug für raue Witterungsbedingungen machen und zudem das Gewicht minimieren.

Die größte Herausforderung bei einem derart hohen Lift besteht allerdings in der Konzeption der Aufzugtechnik. Mit herkömmlichen Stahlseilen und Kabeln kann bei solch enormer Höhe allein schon aufgrund deren Eigengewichts nicht mehr gearbeitet werden. Zudem würde das erforderliche Gegengewicht gigantische Ausmaße besitzen, die die Stabilität des Aufzugschachts gefährden würden.

Die Kanadier haben für dieses Problem eine oder genauer gleich zwei pfiffige Ideen entwickelt. Entweder elektromagnetisch oder druckluftbetrieben sollen die Aufzugkabinen entweder an der Außenseite der Liftröhre oder in deren Innenraum in die Höhe befördert werden.

Um die Stabilität der Liftröhre zu gewährleisten, sollen Kreiselstabilisatoren, sogenannte Gyroskopen, in der Basis der Liftröhre eingesetzt werden.

Thoth Technology verspricht sich von diesem Grundprinzip nicht nur die Realisierung eines Lifts, der als Kommunikations- oder Forschungsstation sowie als Aussichtsplattform für touristische Zwecke verwendet werden könnte. Vielmehr sieht das Unternehmen zumindest auf lange Sicht in der Technologie eine Möglichkeit, Raumschiffe mit bis zu 30 % reduzierten Energiekosten ins Weltall zu befördern.

Die Liftröhre würde dann mit einer Startrampe an der Spitze versehen, die es Raumschiffen ermöglichen soll, in 20 Kilometern Höhe zu starten. Ob die vorgesehene Lifttechnologie sowie die Statik der Liftröhre den Transport solch enormer Gewichte zulassen, ist allerdings noch nicht erwiesen.

Die recht verwegene Patentanmeldung der Kanadier nimmt sich jedoch noch bescheiden aus im Vergleich zu einem Forschungsprojekt japanischer Wissenschaftler, die bis zum Jahr 2050 gern einen 96.000 Kilometer hohen Aufzug aus Kohlenstoff-Nanoröhren ins All errichten würden.

Die Forscher sind dabei allerdings realistisch genug, zu erkennen, dass ein solches Projekt nur mit globaler Koordination zu bewältigen wäre. Die Entwicklung geeigneter Nanoröhren betreiben die japanischen Wissenschaftler jedoch erfolgreich, wenngleich bislang erst Röhren mit einer Länge von wenigen Zentimetern gelungen sind.