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Abgasrecycling für Bioethanolproduktion

Stahlwerke und KohlenmonoxidDas neuseeländische Unternehmen LanzaTech hat bereits 2012 ein Verfahren entwickelt, mit dem sich das Kohlenmonoxid aus Abgasen vor allem der Stahlindustrie zur Erzeugung von Bioethanol nutzen lässt.

Das Verfahren fußt auf der Fermentierung des Kohlenmonoxids durch Mikroben, wie sie auch in der Natur vorkommt. Einige natürliche Gasschlote an Vulkanen werden von ähnlichen Mikroben besiedelt und so die Gase fermentiert.

Das gewonnene Bioethanol kann dann Treibstoffen beigemischt werden, wodurch fossile Ressourcen geschont werden.

LanzaTech hat das Verfahren in einem vorkommerziellen Stadium an verschiedenen kleineren Stahlwerken der chinesischen Unternehmen Baosteel und China Steel erfolgreich getestet und wagt nun den Schritt hin zur kommerziellen Anwendung.

Als erster Großanwender beabsichtigt der in Luxemburg ansässige weltgrößte Stahlkonzern Arcelor Mittal das Stahlwerk im belgischen Gent mit der neuen Technik auszurüsten. Bei erfolgreichem Ergebnis werden weitere Werke des Konzerns nachziehen, darunter auch die vier in der Bundesrepublik unterhaltenen Werke in Bremen, Hamburg, Eisenhüttenstadt und Duisburg.

Bei der Stahlproduktion entstehen auf eine Tonne Stahl etwa 1,8 Tonnen Kohlendioxid, die zumeist verbrannt werden, wodurch vor allem Kohlenmonoxid freigesetzt wird. In einigen wenigen Stahlwerken wird das Kohlendioxid nicht verbrannt, sondern die Prozesswärme zur Elektrizitätsproduktion verwendet.

Die Fermentierung des Kohlenmonoxids zu Bioethanol verhindert die Freisetzung des umweltschädlichen Gases in die Atmosphäre. Da die Stahlproduktion jedoch nach wie vor extrem energieintensiv ist, leitet der Begriff des Bioethanols etwas in die Irre.

Im Vergleich zur ursprünglichen Bioethanolproduktion aus pflanzlichen Rückständen oder eigens gezüchteten Pflanzensorten, fällt die Umweltbilanz der Kohlenmonoxid-Fermentierung an Stahlwerken deutlich bescheidener aus. Dennoch leistet die Technik einen Beitrag zur Verbesserung der Luftqualität und zum Klimaschutz.

Das Stahlwerk in Gent soll nach dem vollständigen Umbau rund 47.000 Tonnen Bioethanol pro Jahr produzieren, bei Umrüstung sämtlicher europäischer Werke von Arcelor Mittal könnten insgesamt etwa 500.000 Tonnen Bioethanol jährlich erzeugt werden, dies entspricht rund 10 % des gegenwärtigen Bioethanolverbrauchs in Europa.

Die Kosten für den Umbau des Stahlwerks in Gent belaufen sich auf 185 Millionen Euro, wovon 10 Millionen Euro von der Europäischen Union als Förderung beigetragen werden

Bildquelle: Didi01/ pixelio.de

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