Ingenieur360

Ingenieurwesen in Deutschland – Ein Überblick über die Branche

Die Berufsbezeichnung „Ingenieur“ ist in Deutschland gesetzlich geschützt. Sie wird für Fachleute technischer Berufe mit wissenschaftlicher Ausbildung verwendet, die in Ingenieurskammern organisiert sind. Es gibt eine Bundesingenieurskammer in Berlin sowie 16 Länderkammern. Im Jahr 2009 waren in Deutschland 774.900 Personen sozialversicherungspflichtig in ingenieurstechnischen Berufen beschäftigt, das war ein Zuwachs um 4,9 Prozent seit dem Jahr 2000. Ihre Zahl stieg nicht nur absolut, sondern auch im Verhältnis zu anderen sozialversicherungspflichtigen Berufen. Hier lag der Anzahl der Ingenieure bei 2,83 Prozent im Jahr 2009 gegenüber 2,65 Prozent im Jahr 2000. Es gibt allerdings innerhalb der einzelnen Branchen und Berufsrichtungen der Ingenieure deutliche Unterschiede. Ingenieure aus dem Bereich der Wirtschaft, der Umwelttechnik, der Medizin-, Elektro-, Sicherheits- und Werkstofftechnik sind am meisten gefragt, hier war der Beschäftigungsanstieg am größten. Im Jahr 2011 klagt die deutsche Industrie zunehmend über einen Mangel an Ingenieuren, die größten Lücken bestehen in der Elektroindustrie und bei Ingenieuren für Informationstechnologien.

Ausbildung von Ingenieuren in Deutschland

Bologna-ProzessEs gibt immer noch den Studienabschluss als Diplom-Ingenieur, er wird aber im Zuge des Bolognaprozesses zunehmend vom Bachelor und vom Master abgelöst. An Technischen Universitäten kann in einem fünfjährigen Studium der Grad Diplom-Ingenieur erworben werden, an einer Fachhochschule in vier Jahren der Diplom-Ingenieur (FH). Nach dem Bolognaprozess lauten die Grade Bachelor of Engineering oder of Science (B.Eng. oder B.Sc.) beziehungsweise Master für beide Richtungen (M.Eng. oder M.Sc.). Nach einer Promotion wird der akademische Grad des Doktor-Ingenieurs (Dr.-Ing.) verliehen. In der DDR erworbene Ingenieursgrade wurden nur teilweise anerkannt.

Die Fachrichtungen werden breiter, es zählen Bau-, Elektro- und Maschinenbauingenieure ebenso dazu wie Wirtschafts-, Entwicklungs- und Fertigungsingenieure. Seit dem letzten Viertel des 20. Jahrhunderts haben sich einige grundlegend neue Fachrichtungen etabliert, so der Informatik-Ingenieur, Hard- und Software-Ingenieure, Vertriebs- und Einkaufsingenieure sowie Marketing-Ingenieure. In der Regel entwickeln sich Fachrichtungen zuerst in der Wirtschaft, werden dann als Zusatzfächer in die universitäre Ausbildung aufgenommen und schließlich in einem eigenen Studiengang subsumiert. Diese Entwicklung findet fortlaufend statt und wird sich in den kommenden Jahrzehnten aufgrund des schnelleren technologischen Wandels noch verstärken. Dennoch belegen die meisten Studierenden nach wie vor die klassischen Fächer Maschinenbau, Bauwesen und Elektrotechnik, und wie vorn erwähnt, besteht in einigen dieser Bereiche auch der größte Bedarf in der Wirtschaft.

Beschäftigung von Ingenieuren

Ingenieure werden in überwiegender Zahl sozialversicherungspflichtig beschäftigt, allerdings steigt die Zahl der selbstständigen Ingenieure. Im Jahr 2008 lag sie in Deutschland bei 161.000. Damit sind rund ein Fünftel aller deutschen Ingenieure selbstständig. Die Perspektiven sind durchweg positiv, denn die Auftragslage steigt, der Bedarf an Ingenieuren wächst ständig. Im Jahr 2011 wird der Mangel an Ingenieuren in Deutschland – die „Ingenieurslücke“ – als ernst zu nehmende Gefahr für den Wirtschaftsstandort angesehen. Deutschland hat im Bereich der Hochtechnologien eine Reihe komparativer Vorteile (Vorteile in der kostengünstigen Produktion), deren Basis die ingenieurstechnischen Berufe bilden. Nach Finnland besitzt Deutschland im europäischen Vergleich die zweitgrößte Ingenieursdichte. Wenn jedoch die Zahl nachrückender Jungingenieure sinkt, droht dieser Wettbewerbsvorteil verloren zu gehen. Dass der Nachwuchs nicht ausreichend gesichert scheint, ergibt sich aus der zu geringen Zahl technischer Studienabschlüsse im Verhältnis zu den Gesamtstudierenden. Auch werden vorhandene Potenziale wie beispielsweise die Ausbildung weiblicher Ingenieure zu wenig genutzt. Dabei sind die Berufsaussichten für Ingenieure durchweg gut, der Zahl arbeitsloser Ingenieure von 25.000 standen im April 2010 34.000 offene Stellen gegenüber. Diese Lücke hat sich sogar im Jahr 2011 noch weiter vergrößert:

Ingenieurbedarf

Zudem ergibt eine Studie des Staufenbiel Instituts aus dem Jahr 2011, dass der Bedarf in den kommenden fünf Jahren weiter steigen wird:
Ingenieurbedarf 5 Jahre

Auch bei den Gehältern zählen Ingenieure zu den gut bezahlten Arbeitnehmern, für das Jahr 2010 wurde für alle Ingenieure in Deutschland ein Durchschnitt von 64.732 Euro jährlich ermittelt. Die Spitze halten Elektroingenieure mit bis zu 78.000 Euro, aus der Softwarebranche sind auch Einkommen von bis zu 100.000 Euro jährlich bekannt. Es handelt sich hierbei zwar um Systementwickler oder Data Warehouse Manager, das Grundlagenstudium war jedoch der Informatikingenieur. Für Abiturienten, die in den Jahren 2012 bis 2014 mit dem Studium beginnen, lohnt sich die Fachrichtung Ingenieur also auf jeden Fall.

Kammern und Verbände

IngenieurkammerIn den Ingenieurskammern werden berufsständische Angelegenheiten aller Ingenieure wahrgenommen, die Kammern haben einen öffentlich-rechtlichen Status. Wer als Beratender Ingenieur selbstständig arbeiten möchte, muss sich in die Liste seiner Länderkammer eintragen. Darüber hinaus sind die Ingenieure in Vereinen organisiert, unter anderem im Verein Deutscher Ingenieure (VDI, Gründung 1856), einem der weltgrößten technischen Vereine, und dem deutschen ingenieurinnenbund e. V. (klein geschrieben) für weibliche Ingenieure. Auch einen Verein Ingenieure ohne Grenzen gibt es in Deutschland.