Ingenieur360

Das Gehalt von Ingenieuren – Hohe Nachfrage ermöglicht hohe Gehälter

Die Ingenieurswissenschaften boomen, der Bedarf der verschiedenen Industriebereiche an qualifizierten Ingenieuren verschiedener Prägung ist unvermindert hoch. Doch hat sich diese Entwicklung auch in den Gehältern niedergeschlagen, und wer stellt sich besser, ein Diplom-Ingenieur oder ein Master? Zahlen größere Betriebe immer noch mehr Gehalt als kleinere und sind Frauen nach wie vor finanziell benachteiligt? Diesen und weiteren Fragen ist eine aktuelle Studie bezüglich der Entwicklung von Ingenieursgehältern nachgegangen, die in den VDI Nachrichten veröffentlicht wurde und durch eine weitere Untersuchung der aktuellen Einstiegsgehälter ergänzt wird.

Master, Diplom oder Bachelor?

Zunächst einmal kann festgehalten werden, dass die Gretchenfrage „Master oder Diplom“ zumindest im Hinblick auf Ingenieure kaum noch eine Rolle spielt. Signifikante Unterschiede in den Gehältern sind nicht mehr festzustellen. Aufpassen sollten die Aspiranten mit einem Bachelorabschluss: Wenn sich hier auch die Einstiegsgehälter nicht wesentlich von denen der Masters unterscheiden, so sind in den Folgejahren doch teils erhebliche Einbußen zu befürchten. Die Schere zwischen den Ingenieuren mit Master und denen mit Bachelorabschluss wird sich dann vergrößern.

Frauen holen auf

Verkleinert hat sie sich erfreulicherweise der Gehaltsunterschied zwischen Frauen und Männern: Ingenieure beiderlei Geschlechts mit gleicher Qualifikation und Position wurden hier miteinander verglichen. Eine weitere Verringerung der Gehaltsdiskrepanz konnte so festgestellt werden.

Ingenieure als Profiteure der wirtschaftlichen Entwicklung

Haben die Ingenieure vom wirtschaftlichen Boom im letzten Jahr auch finanziell profitiert? Die klare Antwort: Ja – aber nicht alle in gleichem Maße und so wie erwartet. Über 15.000 Ingenieure haben für die Studie ihre Gehälter offen gelegt, die im Durchschnitt um 4,2 Prozent gestiegen waren. Hier haben vor allem die Branchen aufgeholt, in denen bislang eher unterdurchschnittlich bezahlt wurde, namentlich die Bau- und Planungsbranche. Auch Maschinenbauingenieure haben gehaltstechnisch zugelegt, im Anlagenbau wurde ebenfalls besser bezahlt. Die Bereiche Chemie, Pharma und Automobilbau stagnieren hinsichtlich der Ingenieursgehälter auf hohem Niveau.

Tatsächlich gibt es aber auch Gehaltsrückgänge, überraschenderweise zum Beispiel in der Energiewirtschaft und in der Elektro- und Elektroniktechnik. In dieser Branche gibt es auch die größte Differenz zwischen den Gehältern auf Sachbearbeiter-Ebene und den Topverdiensten in der Abteilungsleiter-Riege. Oder anders ausgedrückt: Fangen die Berufseinsteiger auch mit moderater Entlohnung an, so können sie bei entsprechender Karriereentwicklung durchaus auf ein ebenso hohes Gehaltsniveau wie Ingenieure im Maschinen- oder Fahrzeugbau kommen. Gleiches gilt für den IT-Bereich: Hier können Durchstarter sogar auf annähernd das Doppelte der Einstiegsgehälter kommen, wenn sie ihre Karriere stringent verfolgen.

Tipps und Fakten für Berufseinsteiger

Für Berufseinsteiger gilt hinsichtlich des zu erwartenden Gehalts neben der Branchenzugehörigkeit auch der Parameter Unternehmensgröße: Die alte Faustregel „je kleiner das Unternehmen, desto geringer der Lohn“ gilt nach wie vor. Ab einer Betriebsgröße von tausend und mehr Mitarbeitern bezahlen Unternehmen die neu eingestellten Berufsanfänger nochmals signifikant besser als kleinere Unternehmen, daran hat sich also nichts geändert.

Dem stellen kleinere Unternehmen mitunter flachere Hierarchien gegenüber, sodass man schon von Anfang an mehr Verantwortung übernimmt und selbstständiger agieren kann. So kann man nicht nur unter Umständen schneller auf der Karriereleiter nach oben klettern, sondern hat auch mehr Freiraum in der täglichen Arbeit, was manche Ingenieure sehr zu schätzen wissen.

Wenig getan hat sich hinsichtlich der Entwicklung der Einstiegsgehälter auch bei der Branchenzugehörigkeit: Maschinen- und Anlagenbau sowie die Automobilindustrie bezahlen nach wie vor top, ebenso die Pharmaindustrie. Die rote Laterne hat das Baugewerbe in der Hand, Ingenieur und Planungsbüros entlohnen ihre Berufsstarter auch bei guter Qualifikation nur unterdurchschnittlich.

Einen Karriereschub kann ein Ingenieur auch heutzutage noch durch eine Promotion erreichen: Diese wirkt sich in einem etwa 10.000,- € höheren Einstiegsgehalt per anno aus, also ganz erheblich! Die vielfachen Plagiatsvorwürfe, die zwar primär auf die Geistes- und Betriebswissenschaften abzielen, aber auch generell im akademischen Betrieb vermehrt zu hören sind, scheinen dem keinen Abbruch getan zu haben.