Ingenieur360

Neues Gutachten belastet Fracking

Erdölförderung bis zum letzten

In Europa ist die Fördermethode für Erdgasvorkommen in tiefliegenden Schiefergesteinsschichten, Fracking, stark umstritten, in der Bundesrepublik hat ein Gutachten des Umweltbundesamtes (UBA) die Risiken dieser Methode als unbeherrschbar bezeichnet und das Fracking in Deutschland damit faktisch verworfen.

Doch in den USA boomt das Fracking wie nie zuvor. Berichte über mit Methan, Ethan und Propan belastete Trinkwasserbrunnen in den betroffenen Regionen häufen sich. Nun belegt eine vom Institut für Ionenphysik der Universität Innsbruck im Auftrag der US-amerikanischen Luft- und Raumfahrtbehörde NASA durchgeführte Studie detailliert die Atmosphärenbelastung durch das Fracking.

Demnach konnten in der Luft über Frackinggebieten im US-Bundesstaat Colorado auffällig hohe Konzentrationen an Benzol und Schwefelwasserstoff nachgewiesen werden. Zudem ließ sich eine Vielzahl von Vorläufersubstanzen für gesundheitsschädliches Ozon feststellen. Dies sind genau die Gase, die beim Fracking aufgrund zahlloser kleiner Risse in den gesprengten Gesteinsschichten unkontrolliert in die Atmosphäre aufsteigen.

Für die Messungen wurde den Innsbrucker Wissenschaftlern das Forschungsflugzeug P-38 der NASA zur Verfügung gestellt, das von den österreichischen Forschern mit einem neuartigen Massenspektrometer ausgestattet wurde. Das Forschungsprogramm „Deriving Information on Surface Conditions from Column and Vertically Resolved Observations Relevant to Air Quality“ (DISCOVER-AQ) der NASA, in dessen Rahmen die Studie durchgeführt wurde, dient in erster Linie der Optimierung von Satellitensensoren. Beobachtungssatelliten können bislang nämlich lediglich erkennen, dass sich Schadstoffe in der Atmosphäre befinden, jedoch geben sie keinen Aufschluss darüber, in welcher Höhe sich die Gase befinden. Das neue Massenspektrometer liefert hingegen präzise Daten über die räumliche und zeitliche Ausdehnung der Schadstoffe in der Atmosphäre. Auch wenn die Messung der durch Fracking verursachten Luftverschmutzung für diese Studie also eher Mittel zum Zweck war, stellt sie einen weiteren Beleg für die enormen Risiken der Fördermethode dar.