Ingenieur360

Nanomedizin birgt enormes Wertschöpfungspotential

In der Medizintechnik auf Nano-Ebene wird seit vielen Jahren intensiv geforscht, erste Testphasen an menschlichen Probanden rücken dementsprechend in greifbare Nähe und beflügeln nicht nur den Optimismus der Mediziner sondern auch den der Ökonomen.

Gigantisches Wachstum prognostiziert
Das Marktforschungsinstitut Lux Research schätzt zum Beispiel einen Anstieg der Wertschöpfung der Nanomedizintechnik von 15 Mrd. US-$ in 2007 auf gigantische 310 Mrd. US-$ bis 2015. Andere namhafte Marktforscher, wie Ernst&Young oder Freedonia, bescheinigen der Technologie einen jährlichen Wertschöpfungswachstum von 20%. Diese sehr optimistischen Prognosen sind ein Stück weit wohl eher als Wunschdenken der Ökonomen einzustufen, denn inwieweit öffentliche Kostenträger in der Lage und Willens sein werden, für die extrem kostenintensive Medizin aufzukommen, ist bislang noch völlig ungeklärt.

Nichtsdestotrotz stellt die Nanomedizin aus wissenschaftlicher Sicht einen Meilenstein der medizinischen Forschung dar. Der Fokus liegt dabei auf nanoskaligen Medikamenten und Nano-Diagnostika. Diagnostika in Nanogröße können bildgebende Diagnoseverfahren revolutionieren. Patienten erhalten die Nano-Partikel per Katheter oder idealerweise intravenös als ein neuartiges Kontrastmittel. Ein magnetisches Wechselfeld setzt die so ins Blut gelangten Eisenoxidmagnete in Bewegung. Durch die Abbildung der Bewegung werden dreidimensionale Bilder erzeugt, die sämtliche konventionelle Bildgebungsverfahren an Qualität weit übertreffen.

Dieselben Nanopartikel lassen sich grundsätzlich auch für eine Hyperthermie-Therapie nutzen. Dabei wird durch die Teilchenbewegung gezielt Wärme erzeugt. Tumore können so auf 40 °C erhitzt werden, wodurch sie durchlässiger für Strahlen- und Chemotherapie werden. Das Verfahren eignet sich jedoch nur für kleinere Tumoren von 1 bis 2 cm Größe.

Nanoskalige Medikamente sollen Wirkstoffe gezielt zum Krankheitsherd transportieren und dadurch effizientere Therapien ermöglichen. Gegenwärtig müssen die Medikamente jedoch noch über eine unangenehme Katheterlegung in den Körper eingeführt werden. In der Zukunft soll die intravenöse Verabreichung den Patienten solche Torturen ersparen.
Doch bis erste menschliche Probanden mit Nanomedizin behandelt werden können, wird es noch einige Jahre dauern. Schließlich müssen mögliche Risiken gründlich erforscht und minimiert werden.

Die Ökonomen reiben sich jedoch schon kräftig die Hände angesichts des enormen Entwicklungs- und Anwendungspotentials der Nanomedizin.

Bild: Dieter Schütz / pixelio.de