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Seltene Erden im Rhein

Seltene Erden im AbwasserSogenannte Seltene Erden sind für viele industrielle Anwendungen, besonders in der Elektronikbranche, ein unverzichtbarer Bestandteil.

Wie der Name bereits andeutet, bestehen jedoch nur relativ wenige Abbaugebiete für die Mineralien, die meisten davon in Afrika und Asien.

Die industrielle Verarbeitung der Seltenen Erden erfolgt jedoch überwiegend in Regionen mit keinen bis wenigen natürlichen Vorkommen der Mineralien, wie etwa in Europa.

Ein Teil der Seltenen Erden wird jedoch über industrielle Abwässer in Flüsse geleitet und fließt darüber in die Meere ab. Bislang war ungeklärt, ob sich die Mineralien in den dort lebenden Organismen anreichen und so in die Nahrungskette gelangen.

Eine Studie der Jacobs University in Bremen ist dieser Frage im Rahmen des EU-Projektes CLIM-AMAZON zumindest für den deutschen Abschnitt des Rheins nachgegangen und liefert einem Bericht der Fachzeitschrift „Science of the Total Environment“ zufolge überraschende Ergebnisse.

So weist das Rheinwasser unterhalb der Stadt Worms eine 46-fach erhöhte Konzentration der Seltenen Erde Lanthan auf, selbst auf der Höhe Leverkusens beträgt die Lanthan-Konzentration noch das 25-fache des natürlichen Gehalts. Im Flusslauf des Rheins oberhalb von Worms besteht hingegen keine auffällige Erhöhung des Lanthan-Gehalts.

Dass sich der anstieg an Lanthan so exakt ab Worms ergibt ist indessen kein Zufall, in Worms befindet sich der Produktionsstandort eines Unternehmens zur Herstellung von Katalysatoren für die Erdölverarbeitung. Die Seltenen Erden Lanthan und Samarium werden hier als Abwässer des Unternehmens in den Rhein geleitet.

Die Wissenschaftler aus Bremen haben jedoch nicht nur Wasserproben an insgesamt neun Stellen des Rheins auf den Gehalt an diesen beiden der Seltenen Erden untersucht, sondern zudem Muscheln auf eine mögliche Anreicherung hin analysiert.

Auf diese Weise konnten die Forscher nachweisen, dass Lanthan und Samarium von den Muscheln aufgenommen wird und sich somit auch in Fischen und anderen Tierarten anreichert. Sofern Fisch aus dem Rhein verzehrt wird, gelangen die Seltenen Erden also auch in den menschlichen Nahrungskreislauf.

Wie sich der signifikant erhöhte Gehalt dieser beiden Seltenen Erden auf tierische und den menschlichen Organismus auswirkt, muss jedoch in weiteren Studien erst noch herausgefunden werden.

Klar ist jedoch bereits, dass die auch als Hochtechnologiemetalle bezeichneten Seltenen Erden sämtliche Filterstufen von Kläranlagen ungehindert passieren. Der Umweltaspekt der Verarbeitung Seltener Erden ist bislang kaum untersucht worden und dementsprechend bestehen gegenwärtig auch praktisch keine Auffangsysteme für die Mineralien.

Bildquelle: segovax / pixelio.de

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